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Interkulturelles Sommerfest

Am 24. Juni war es wieder soweit: Wir feierten unser alljährliches interkulturelles Sommerfest. Trotz des nasskalten Wetters, welches eher an einen launischen, grau-kühlen Apriltag erinnerte, waren sehr viele von euch da. Auch viele Flohmarkt-Besucher*innen ließen sich durch das leckere Essen und die Musik anlocken. Zum Glück fand das Programm hauptsächlich drinnen statt; den Mittelpunkt bildete die Bühne in der Warenannahme der Faust, wo die Leute Schutz vor Wind und Nieselregen suchen konnten.
Eingeleitet wurde das Fest durch Grußworte von IIK-Leiterin Lipi Mahjabin Ahmed, Sozial- und Sportdezernentin Konstanze Beckedorf und Bezirksbürgermeister Rainer Grube. Alle drei betonten die Wichtigkeit solcher Projekte wie das interkulturelle Freizeitprojekt “Miteinander 55+”, insbesondere im Hinblick auf die Notwendigkeit von Toleranz und Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturen in den Nachbarschaften innerhalb Hannovers.
Anschließend wurden die Zuschauer*innen von Lukas’ großartiger Zaubershow und den vielseitigen Tanzgruppen bestens unterhalten. Es wurden sehr lebendige, traditionelle Tänze aus Indien und Afghanistan aufgeführt sowie ein Improtanz von Vera, welcher das Publikum ebenfalls ins Schwitzen brachte.
Auch die musikalischen Performances waren mitreißend – die in Hannover allseits bekannten und beliebten Linden Legendz waren mit dabei und brachten die Warenannahme mit den lebendigen Beats und ihren mitreißenden Stimmen zum Beben und zeitweilig sogar zum Tanzen. Auch die kleine Falak bezauberte mit ihrem Gesang die Zuschauer*innen, genauso wie die Musikband Eviva und Ido, der auf seiner Oud ein paar schöne Stücke spielte.
Was das leibliche Wohl betraf, so hatten die Gäste dieses Mal die Qual der Wahl und durften sich unter anderem zwischen peruanischer, indischer, ivorischer und ukrainischer Küche entscheiden. Auch an den Malaktionen wie dem Bemalen von Stoffbeuteln oder dem gemeinschaftliche Bemalen einer (Schatz-)Truhe beteiligten sich viele, vor allem die jüngeren Gäste. Viele ließen sich auch von unserer Henna-Künstlerin die Hände mit wunderschönen Henna-Motiven verzieren.

Natürlich wäre es ohne die Hilfe der ganzen fleißigen Helfer*innen, Künstler*innen und Köch*innen nicht möglich gewesen, so ein buntes und lebendiges Sommerfest auf die Beine zu stellen. Ein herzliches Dankeschön an alle, die das möglich gemacht haben – nicht zuletzt auch an die Faust, die uns  ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und uns tatkräftig unterstützt hat! Wir freuen uns schon auf das Sommerfest im  nächsten Jahr!

Unsere Arbeitsbereiche:


Unsere nächsten Veranstaltungen…

Miteinander 55+

Zusammen Kochen / Erzählcafé :  24.07.2018, 31.07.2018 jeweils um 16:00 Uhr in der IIK

Kreativwerkstatt / Bewegen & Tanzen: 04.07.2018, 18.07.2018 jeweils um 16:00 Uhr im Tango Milieu (Zur Bettfedernfabrik 1, 30451 Hannover – neben dem IIK-Büro)

„MUSIK MACHT STARK!“ 

Im Mai startete unser Projekt „Musik macht stark“ und seitdem findet jeden Sonntag unser kostenloser Musikunterricht hier in den Räumen der IIK statt. Es kommen viele musikinteressierte Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren aus verschiedenen Kulturkreisen vorbei um gemeinsam mit Lehrer Ahmed die ersten Griffe auf der Gitarre zu lernen.
Bei den jüngeren Teilnehmer*innen liegt der Fokus eher darauf, ein Gefühl für das neue Instrument zu entwickeln, wohingegen die Älteren schon selbstständig Akorde greifen und mittlerweile ein erstes Lied spielen können. Ein bisschen Musiktheorie und Harmonielehre darf zum besseren Verständnis natürlich auch nicht fehlen. Allerdings haben die Schüler viel Freiraum um eigenständig zu üben und sich gegenseitig auszutauschen. Zur Auflockerung werden zwischendurch gemeinsam Spiele gespielt und mittags stellen wir Pizza und Getränke zur Stärkung bereit.

Falls du auch Lust hast nächsten Sonntag um 11:00 Uhr dabei zu sein, dann schreib uns eine E-Mail an info@iik-hannover.de. Wir freuen uns auf Dich!

Einblicke und Antworten zum Familiennachzug

– Diskussionsrunde vom 23. Mai

Am Mittwochabend  informierte die IIK e.V. zusammen mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen über das Thema Familiennachzug.

Zu Beginn begrüßte die Leiterin der IIK Mahjabin Ahmed alle Anwesenden und hielt eine kurze Willkommensrede. Sie betonte, dass der neue Gesetzesentwurf der Integration und damit auch der Zukunft vieler geflüchteter Menschen hier in Deutschland im Wege stehe und einer Willkommenskultur in Deutschland widerspreche.

Danach wurden 6 kurze, teils sehr tragische, Geschichten von Menschen vorgelesen, die wir aus unserer tagtäglichen Beratung kennen: Teilweise haben diese Menschen bereits erfolgreich ihre Familien nachholen können bzw. gehören selbst zu den Nachziehenden – so wie der heute 20-jährige Syrer Yasin, der bereits in Jordanien Deutsch gelernt hat. Teilweise sind sie aber auch vom (beschränkten) Familiennachzug betroffen oder haben mit ihrem Status überhaupt keine Chancen darauf, ihre Familie nachzuholen – so wie Tarek aus Afghanistan, der sich im Klageverfahren befindet und seine Frau und seine beiden Töchter in Afghanistan zurücklassen musste, und der deutlich macht: Niemand verlässt ohne Grund seine Familie.

Anschließend gab Karim Alwasiti (Flüchtlingsrat Niedersachsen) einen kurzen Überblick zu dem Thema und machte deutlich, dass das Thema Familienzusammenführung deshalb so relevant ist, weil es derzeit im Grunde für Schutzsuchende bzw. die Kernfamilie der Schutzsuchenden die einzige gefahrlose Möglichkeit ist, nach Deutschland zu kommen. Gleichzeitig stellte er klar, dass die Politik seit Jahren versucht, mittels bürokratischer Hürden, der Verwaltungspraxis und Gesetzes-verschärfungen, die Familienzusammenführung immer weiter einzuschränken. So wurde der Familiennachzug zu subsidiär Geschützten – der Status, den vor allem Syrer*innen erhalten haben – durch das Asylpaket II für volle zwei Jahre bis März 2018 ausgesetzt, um den Zuzug zu beschränken. Hiervon waren Hunderttausende Geflüchtete betroffen.

Anfang 2018 wurde die gleiche Regelung dann zunächst bis Ende Juli 2018 verlängert.  Der neue Gesetzesentwurf will nach der Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Familiennachzug für subsidiär Geschützte nun ein monatliches Kontingent von maximal 1.000 Menschen pro Monat die Möglichkeit geben, nach Deutschland einzureisen. Nach welchen Kriterien dies entschieden werden soll, bleibt bisher völlig unklar. Alwasiti fasste dies mit den Worten zusammen: „Es ist eine Art Lotterie.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Teilnehmer*innen Yasmin Fahimi (MdB, SPD-Bundestagsfraktion), Benedikt Behlert (Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht, Bochum), Karim Alwasiti, Fahad Al-Hutaimi sowie Moderator Kai Weber (Flüchtlingsrat Nds) über Sinn und Unsinn – bzw. Recht und Unrecht – des neuen Gesetzesentwurfes zum Familiennachzug.

Aus völkerrechtlicher Perspektive ist die Begrenzung – und selbstverständlich auch die Aussetzung – problematisch: Das Völkerrecht garantiert zwar keinen grundsätzlichen Anspruch auf Familienzusammenführung, verlangt aber, dass jeder Einzelfall geprüft wird. Faktisch sei dies nicht passiert. Auch die UN-Kinderrechtskonvention spricht davon, dass das Kindeswohl in besonderem Maße zu berücksichtigen sei. Auch dies ist ohne die Prüfung jedes einzelnen Falls nicht möglich. Von politischer Seite hörten wir, dass die Beschränkung des Familiennachzugs der einzige Kompromiss war, der mit der CDU/CSU ausgehandelt werden konnte – und dass nur so noch Schlimmeres auf Gesetzesebene verhindert werden konnte. Zynisch, finden einige. Dass dies vor allem für die Betroffenen selbst unverständlich ist – und sie das auch ihren Ehepartner*innen und ihren Kindern, die immer noch in Bürgerkriegsländern wie Syrien ausharren, kaum erklären können – wurde nicht zuletzt durch einen bewegenden Beitrag aus dem Publikum deutlich. Außerdem, so machte Fahad Al-Hutaimi deutlich, haben diese politischen Entscheidungen einen stark demoralisierenden Effekt: Viele geflüchtete Menschen warten schon seit Jahren darauf, dass sie ihre Ehepartner*innen oder ihre Kinder zu sich in Sicherheit bringen können. Und viele sind inzwischen so entmutigt, dass sie keinen Sinn mehr darin sehen, Deutsch zu lernen oder eine Ausbildung zu beginnen.

Letztlich bleibt daher eines sehr wichtig: Wir müssen weiterhin unsere Stimme erheben und lautstark die Rechte einfordern, die uns und *allen* unseren Mitbürger*innen zustehen.

Neuer Deutschkurs: Alphabetisierung und Anfänger (A0)

Wir bieten einen neuen Deutschkurs in Hannover Hainholz an.
Der Kurs findet jeden Montag und Donnerstag von 10 -12:00 Uhr in der Ezidischen Akademie in der Schulenburger Landstr. 150, 30165 Hannover statt und wird ehrenamtlich geleitet.
Er ist für alle geeignet, die gerade anfangen Deutsch zu lernen.
Eine Übersicht zu unserem Deutschkursangebot findet ihr hier.

1.Mai-Fest

Wie jedes Jahr fand wieder das 1.Mai-Fest auf dem Faust-Gelände statt und auch wir feierten mit und luden zu einem kleinen IIK-Grillfest ein.
Trotz des stürmisch-grauen Wetters (das am späten Nachmittag dann etwas freundlicher wurde) kamen zahlreiche Vereinsmitglieder, Unterstützer*innen und Freunde und das Buffet wurde schnell mit internationalen Köstlichkeiten gefüllt. Wie immer wurde herzlich gelacht, geredet und sogar Musik gemacht. Neben unserem kleinen Waffelstand, verkaufte die Iash Board leckere traditionelle indische Gerichte vor unserer Tür, die man sich nicht entgehen lassen konnte.
Wir hoffen, ihr seid auch alle gut in den Mai gekommen!

Rückkehr nach Afghanistan?

– Vortrag von Friederike Stahlmann am 07. Dezember

Am 7. Dezember fand der Vortrag zum Thema „Afghanistan ist nicht sicher“ im Ballhof Café in Hannover statt. Organisiert wurde der Abend vom Flüchtlingsrat Niedersachsen in Kooperation mit der IIK im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tag der Menschenrechte“.  Die Referentin Friederike Stahlmann, welche Afghanistan-Spezialistin am Max-Planck-Institut ist, schilderte die politischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse in Afghanistan in eindringlicher, plakativer und beeindruckend konkreter Weise.
Trotz der Proteste internationaler Menschenrechtsorganisationen hält die Bundesregierung Abschiebungen nach Afghanistan weiterhin für vertretbar. Der Vortrag diskutierte die Argumente, die von beiden Seiten vorgebracht werden, bot landeskundliche Hintergründe zu den vielfältigen Sicherheitsrisiken und diskutierte die besondere Situation abgeschobener Asylbewerber. Die Referentin kam zu dem Schluss, dass die Lebensumstände im Heimatland für einen Rückkehrer derart prekär oder gar lebensbedrohend sind, dass eine Abschiebung aus Deutschland – über kurz oder lang – mit einer Abschiebung in den Tod gleichzusetzen sei.  Insgesamt kamen viele interessierte Besucher, die vom Vortrag tief betroffen waren.

„Menschen(rechte) über Bord“ am 20. November

7.500. So viele Tote zählte die IOM (The International Organization for Migration) im Jahr 2016 unter den Migrant*innen, also unter den Menschen, die weltweit auf der Flucht waren. Dabei gilt das Mittelmeer nach wie vor als die tödlichste Fluchtroute: Allein hier sind seit 2014 über 13.000 Menschen ums Leben gekommen.
Dr. Tankred Stöbe von Ärzte ohne Grenzen und Fabian Melber von Sea-Watch haben einigen dieser namenlosen Menschen am 20.11. bei unserer Veranstaltung “Menschen(rechte) über Bord!” ein Gesicht gegeben. Beide berichteten von ihren Rettungseinsätzen auf dem Mittelmeer und in Libyen.

Anschließend diskutierten die beiden Referenten unter der Moderation von Kai Weber (Geschäftsführer Flüchtlingsrat Nds.) mit Sabine Lösing (MeP, Die Linke), Gerald Knaus (Geschäftsführer ESI) und Georgia Jeschke (Ratsfrau der CDU in Hannover). Dabei waren die Seenotrettung im Mittelmeer und die erschwerten Bedingungen für die NGOs ebenso Gegenstand der Diskussion wie mögliche Lösungsoptionen für die unhaltbaren Zustände in Libyen. Besonders kontrovers wurde die Frage diskutiert, inwiefern der EU–Türkei-Deal, an dem Gerald Knaus entscheidend mitgewirkt hatte, eine Blaupause für Verhandlungen der EU mit anderen Herkunfts- und Transitländern sein könnte. So entstand eine sehr lebendige Diskussion, an der sich auch das Publikum rege beteiligte.

An dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank von uns, der Initiative für Internationalen Kulturaustausch e.V. (IIK), an alle Beteiligten, Gäste, DiskussionsteilnehmerInnen und Referenten sowie an unsere Kooperationspartner dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und dem Kulturzentrum Faust für diesen interessanten Abend.

Alle Menschen lachen in der gleichen Sprache

– Firas Alshater in Hannover

Humor ist nicht alles. Aber alles ohne Humor ist nichts. Getreu diesem Motto hat uns der syrische Filmemacher und Autor Firas Alshater am Mittwochabend gezeigt, dass er zwar viel Leidvolles in seinem Leben erlebt hat und ihm auch immer noch von vielen Seiten Hass entgegenschlägt, er sich aber deswegen das Lachen nicht nehmen lässt.  Der Fokus auf das Positive, auf die Komik in der Tragik ist das, was ihn leitet und antreibt: So mag er die gelegentlichen Hasskommentare unter seinen Youtube-Videos zwar zur Kenntnis nehmen, aber darauf eingehen – nein. Da beschäftigt er sich lieber eingehend mit den vielen Heiratsanträgen, die sich ebenfalls in den Kommentarspalten finden. Mit den begeisterten Reaktionen, den Liebesbekundungen und dem echten Interesse an seiner Arbeit. Natürlich auch mit Kritik, sofern sie denn konstruktiv ist.

Und so erzählt Firas. Von den grausamen Erlebnissen in seiner Heimat Syrien, von den Erinnerungen an die Misshandlungen im syrischen Gefängnis, als er wegen seiner Videodokumentationen vom Regime über Monate festgehalten und gefoltert worden ist. Von dem andauernden Freiheitskampf vieler syrischer Bürger, von der Selbstverständlichkeit, jeden Tag mindestens einen geliebten Menschen zu verlieren. Vom Ankommen in Deutschland, vom Warten im LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin) und den Bedingungen im Flüchtlingsheim, vom ersten Brief, den er in seinem Leben je bekommen hat – ein Brief vom Finanzamt mit seiner Steuernummer.

Auf die Frage, ob sich Firas je wieder vorstellen könne, nach Syrien zurückzukehren, antwortet er, er werde dort sein, wo er seine Meinung sagen kann. Denn solange das Assad-Regime an der Macht ist, wird es keine Freiheit für die syrischen Bürger geben, sagt Firas. Und das – das sei überhaupt das Allerbeste an Deutschland: Keine Angst zu haben davor, was man denkt und was man sagt. Und natürlich das, was viele hierzulande vielleicht für selbstverständlich halten: Frieden.

Rund 200 Gäste haben am Mittwochabend den Weg in die Warenannahme in der Faust gefunden und Firas‘ Geschichten zugehört. Organisiert wurde die Veranstaltung von Hometown Hannover und der Initiative für Internationalen Kulturaustausch (IIK), deren Leiterin Mahjabin Ahmed in den Abend einleitete. Das Rahmenprogramm bildeten Rochdi Elsaffi, der eines seiner Gedichte vortrug, sowie Ido Adi, der zum Ausklang auf der arabischen Oud etwas vorspielte. Zum Schluss haben viele Gäste die Gelegenheit genutzt, Firas Buch „Ich komm auf Deutschland zu: Ein Syrer über seine neue Heimat“ zu kaufen und von ihm signieren zu lassen sowie sich manchmal auch noch eine Umarmung und ein Selfie mit ihm abzuholen. Ein Abend, der sicherlich eines gezeigt hat: Ein Lächeln ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen – und zwei Völkern.